F√ľr Sie exklusiv Fahreignung Alkohol oder Drogen

Verkehrspsychologisches Gutachten

( Aus Sicht der Willk√ľr Beh√∂rden)

 

 

Rechtliche Grundlagen

  • Anlass zur Fahreignungsbegutachtung
  • Administratives Vorgehen
  • Fahreignungsabkl√§rung: Fragestellung, Untersuchungs- umfang, Beurteilung, medizinische Auflagen
  • Wiederzulassung und Kontrolle
  • Minimalkriterien der kontrollierten Alkohol – Totalabstinenz

 

1.   Einleitung

 

In der Schweiz ereignen sich j√§hrlich ungef√§hr 7000 Verkehrsunf√§lle, die auf den Einfluss von Alkohol zur√ľckzuf√ľhren sind. Dabei werden rund 3000 Personen verletzt und zwischen 120 und 180 Personen get√∂tet. In der Mehrzahl der F√§lle muss angenommen werden, dass ein gewohnheits- oder suchtm√§ssiger Gebrauch von Alkohol vorliegt. Gem√§ss neueren Untersuchungen sind in unserem Land mindestens 300 000 Personen alkoholabh√§ngig, die meisten davon besitzen¬† einen F√ľhrerausweis und lenken regelm√§ssig Motorfahrzeuge.

Der chronische Alkohol√ľberkonsum und die damit verbundene Gefahr des Fahrens in angetrunkenem Zustand (FiaZ) ist bei uns als wichtigstes verkehrs- medizinisches Problem anzusehen. In der Schweiz wurde in den letzten Jahren bei √ľber 20% der t√∂dlichen Verkehrsunf√§lle Alkoholeinfluss festgestellt, und j√§hrlich erfolgten √ľber 16 000 F√ľhrerausweisentz√ľge wegen FiaZ. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass es durchschnittlich mehrere hundert Trunkenheitsfahrten braucht, bis man diesbez√ľglich polizeilich erfasst wird.

Ber√ľcksichtigt man, dass viele FiaZ-Lenker Wiederholungst√§ter sind und dass der bei Fiaz-Ereignissen ermittelte durchnittliche Promillegehalt √ľber 1.5 liegt, so l√§sst sich folgern, dass es sich dabei h√§ufig um Personen handelt, bei denen ein verkehrsrelevantes Alkoholproblem vorliegt.

Gem√§ss den geltenden gesetzlichen Richtlinien d√ľrfen in der Schweiz Personen, bei denen ein chronischer Alkohol√ľberkonsum vorliegt, keinen F√ľhrerausweis f√ľr Motorfahrzeuge besitzen. Wird festgestellt, dass bei einem F√ľhrerausweis- inhaber ein chronischer Alkoholkonsum vorliegt, ist der Ausweis zu entziehen Ergibt sich ein erheblicher Verdacht, dass bei einem Motorfahrzeuglenker ein Alkohol√ľberkonsum vorliegen k√∂nnte, kann die Zulassungsbeh√∂rde eine amts- √§rztliche Untersuchung zur Ueberpr√ľfung der Fahreignung anordnen. Dies ge- schieht in der Regel dann, wenn eine Person innerhalb weniger Jahre wiederholt ein Fahrzeug in angetrunkenem Zustand (√ľber 0.8 Gewichtspromille Blutalko- hol) gef√ľhrt hat, wenn der Blutalkoholgehalt beim einem solchen Ereignis einen sehr hohen Wert aufweist oder wenn andere Umst√§nde auf das Vorliegen eines Alkohol√ľberkonsumes hinweisen.

 

Personenwagenlenker √ľber 70 Jahren, Taxilenker, Lastwagen- und Bus- chauffeure sowie Fahrlehrer haben sich periodischen verkehrsmedizinischen Kontrollen zu unterziehen. Auch anl√§sslich dieser Kontrolluntersuchungen ergibt sich in gewissen F√§llen der Verdacht auf das Vorliegen eines Alkohol- √ľberkonsumes.

Seltener werden alkoholkranke Personen von Aerzten, Spitälern oder anderen Drittpersonen der Zulassungsbehörde gemeldet.

Best√§tigt die verkehrsmedizinische Begutachtung das Vorliegen eines chroni- schen Alkohol√ľberkonsumes, so wird der F√ľhrerausweis in der Regel auf un- bestimmte Zeit, jedoch mindestens f√ľr die Dauer eines Jahres, entzogen.

Die Wiederaufhebung der Massnahme erfolgt, wenn eine erfolgreiche Behandlung des Suchtleidens stattgefunden hat.

Dies bedeutet in der Regel, dass die betref- fende Person eine kontrollierte Alkohol-Totalabstinenz von mindestens einem Jahr Dauer nachweisen muss und eine erneute amts√§rztliche Begutachtung posi- tiv verl√§uft. Mit der Wiedererteilung des F√ľhrerausweise ist in der Regel die Auflage des Weiterf√ľhrens der Alkohol – Totalabstinenz verbunden.

Im Kanton Z√ľrich wird bei diesen Personen die Fahreignung von einer speziel- len Untersuchungsstelle, der verkehrsmedizinischen Abteilung des Instituts f√ľr Rechtsmedizin der Universit√§t Z√ľrich, √ľberpr√ľft. J√§hrlich finden dort rund 600 bis 800 Abkl√§rungen bei Verdacht auf Alkohol√ľberkonsum statt.

Die vorliegende Wegleitung befasst sich mit den wichtigsten Problemkreisen des verkehrsrelevanten Alkoholkonsums in Bezug auf die Fahreignung. Sie soll den daf√ľr zust√§ndigen Beh√∂rden, den Fachleuten f√ľr Suchtberatung wie auch den betreuenden Haus- und Spital√§rzten, Fach√§rzten f√ľr Psychiatrie und Psycho- logen bez√ľglich den in diesem Zusammenhang h√§ufig auftauchenden Fragen¬† eine praktische Hilfeleistung bieten.

Die spezifischen Verh√§ltnisse im Kanton Z√ľrich dienen dabei als Ausgangspunkt; die rechtlichen Grundlagen sind aber in der gesamten Schweiz die selben, und somit gelten die nachfolgenden Ausf√ľh- rungen sinngem√§ss auch f√ľr alle anderen Kantone.

 

2.   Rechtliche Grundlagen

 

Die rechtlichen Grundlagen der Fahreignung bei Vorliegen von Alkoholpro- blemen sind im Strassenverkehrsgesetz (SVG) und in der Verordnung √ľber die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (VZV) festgehalten.

 

‚Äʬ†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Art. 14 Abs. 2 VZV – Erteilung von Lern- und F√ľhrerausweisen

Lernfahr- und F√ľhrerausweise d√ľrfen nicht erteilt werden, wenn der Bewerber

 

  1. durch k√∂rperliche oder geistige Krankheiten oder Gebrechen gehindert ist, ein Motorfahrzeug sicher zu f√ľhren;
  2. Dem Trunke oder anderen die Fahrf√§higkeit herabsetzenden S√ľchten ergeben ist;
  3. nach seinem bisherigen Verhalten nicht Gew√§hr bietet, dass er als Motor fahrzeugf√ľhrer die Vorschriften beachten und auf die Mitmenschen R√ľcksicht nehmen w√ľrde.

 

‚Äʬ†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Art. 16 Abs. 1 SVG – Entzug der Ausweise

 

Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen Voraussetzungen nicht oder nicht mehr bestehen.

 

‚Äʬ†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Art. 16 Abs. 3 SVG – Ausweisentzug bei Fahren in angetrunkenem Zustand

Der F√ľhrer- oder Lernfahrausweis muss entzogen werden, wenn der F√ľhrer

  1. in angetrunkenem Zustand gefahren ist.

 

‚Äʬ†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Art. 17 Abs. 1bis SVG – Dauer des F√ľhrerausweisentzuges

 

Der F√ľhrer- oder Lernfahrausweis wird auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn der F√ľhrer wegen Trunksucht oder anderer Suchtkrankheiten, aus charakter- lichen oder anderen Gr√ľnden nicht geeignet ist, ein Motorfahrzeug zu f√ľhren. Mit dem Entzug wird eine Probezeit von mindestens einem Jahr verbunden.

 

 

‚Äʬ†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Art. 7 VZV – √Ąrztliche Untersuchung

 

  • Vor Erteilung des Lernfahrausweises ist der Bewerber hinsichtlich Geh√∂r- und Sehverm√∂gen summarisch zu pr√ľfen und zur Untersuchung an einen Vertrauensarzt oder eine von der kantonalen Beh√∂rde bestimmte Spezial- untersuchungsstelle zu weisen, wenn Zweifel √ľber die k√∂rperliche oder psychische Eignung

 

  • Das Zeugnis eines durch die kantonale Beh√∂rde zu bezeichnenden Ver- trauensarztes oder einer Spezialuntersuchungsstelle ist erforderlich:

a¬†¬† f√ľr Bewerber um den F√ľhrerausweis der Kategorie C, D und D1

  • Einer vertrauens√§rtzlichen Kontrolluntersuchung unterliegen:

a die Inhaber eines F√ľhrerausweises der Kat. C, D oder D1 sowie die Fahrlehrer bis zum 50. Altersjahr alle 5 Jahre, ab dem 50. Altersjahr alle 3 Jahre

b die Ausweisinhaber von mehr als 70 Jahren alle zwei Jahre

c Motorfahrzeugf√ľhrer nach schweren Unfallverletzungen und nach schweren Krankheiten.

 

Bewerber f√ľr Ausweise der dritten medizinischen Gruppe (z.B. Pw) haben sich vor Erteilung des Lernfahrausweises einer summarischen Seh- und H√∂rpr√ľ- fung zu unterziehen und einen medizinischen Fragebogen auszuf√ľllen, der auch die Frage nach einer allf√§lligen Alkoholsucht oder einer entsprechenden Ent- zugsbehandlung beinhaltet.

Eine gesetzlich vorgeschriebene periodische √§rztliche Kontrolle f√ľr Lenker von Personenwagen und Motorr√§der erfolgt erst nach Erreichen des 70. Alters- jahres, ab welchem alle 2 Jahre eine periodische Untersuchung zur weiteren Fahreignungsabkl√§rung vorgesehen ist. Im Kanton Z√ľrich werden diese Kontrolluntersuchungen in der Regel vom Hausarzt durchgef√ľhrt.

 

Bewerber f√ľr Ausweise der zweiten (z.B Taxi, Lastwagen) und der ersten medi- zinischen Gruppe (Car, Bus) m√ľssen sich einer Eignungsuntersuchung unter- ziehen, im Rahmen derer auch das Vorliegen einer Alkoholproblematik √ľberpr√ľft werden sollte. Im Kanton Z√ľrich wird diese Funktion vom Institut f√ľr Rechtsme- dizin und von den Bezirks√§rzten wahrgenommen.

F√ľr die Inhaber dieser h√∂heren Kategorien sind bis zum 50 Altersjahr perio- dische Kontrollen alle 5 Jahre, danach alle 3 Jahre vorgeschrieben. Diese Kontrolluntersuchungen werden wiederum von den Haus√§rzten durchgef√ľhrt.

 

‚Äʬ†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Art. 14 Abs. 4 SVG – Melderecht des Arztes

 

Jeder Arzt kann Personen, die wegen k√∂rperlicher oder geistiger Krankheiten oder Gebrechen oder wegen S√ľchten zur sicheren F√ľhrung von Motorfahr- zeugen nicht f√§hig sind, der Aufsichtsbeh√∂rde f√ľr Aerzte und der f√ľr Erteilung und Entzug des F√ľhrerausweises zust√§ndigen Beh√∂rde melden.

 

Dieses Melderecht gestattet jedem Arzt, auch ohne Entbindung von der ärztli- chen Schweigepflicht einen uneinsichtigen Lenker, der trotz Vorliegen eines verkehrsrelevanten Leidens (zum Beispiel eines Alkoholproblemes) nicht auf das Lenken eines Motorfahrzeuges verzichten will, der Behörde zu melden.

 

‚Äʬ†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Art. 123 Abs. 3 VZV – Meldung an Strassenverkehrsbeh√∂rde

 

Erh√§lt die Polizei oder eine Strafbeh√∂rde Kenntnis von Tatsachen, wie z.B. von schwerer Krankheit oder S√ľchten, die zur Verweigerung oder zum Entzug des Ausweises f√ľhren k√∂nnen, so benachrichtigt sie die f√ľr den Strassenver- kehr zust√§ndige Beh√∂rde.

 

Gest√ľtzt auf diesen Artikel werden im Kanton Z√ľrich j√§hrlich rund 100 Motorfahrzeuglenker dem Strassenverkehrsamt wegen Verdachts auf das Vorliegen einer die Fahreignung beeintr√§chtigenden gesundheitlichen St√∂rung polizeilich gemeldet, dies meist nach massiv auff√§lligem Verkehrsverhalten oder bei konkreten Hinweisen auf ein Suchtproblem.

 

 

3.   Anlass zur Fahreignungsbegutachtung bei Alkoholproblemen

 

‚Äʬ†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Angabe eines Alkoholproblemes bei der Bewerbung um den F√ľhrerausweis Kat. B (PW) oder A1/A (Motorrad)

 

Diese Bewerber haben auf dem Antragsformular verschiedene Fragen hinsicht- lich ihres Gesundheitszustandes zu beantworten. Die bez√ľglich Alkohol√ľber- konsum relevanten Frage lauten: ¬ęLeiden oder litten Sie an S√ľchten (Alkohol, Rauschgift, Medikamente)?¬Ľ und ¬ęWaren Sie jemals in einer Heilst√§tte f√ľr Alko- holkranke hospitalisiert?¬Ľ. Zum Ausschluss eines aktuell bestehenden Alkohol- √ľberkonsumes wird meistens eine amts√§rztliche Eignungsuntersuchung ange- ordnet. In gewissen F√§llen gen√ľgt auch das Einreichen eines ausf√ľhrlichen √§rztlichen Zeugnisses, das eine mindestens einj√§hrige kontrollierte Suchtmittel- abstinenz best√§tigt.

 

‚Äʬ†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Bewerbung um eine h√∂here F√ľhrerausweiskategorie (z.B. Taxi, Lastwagen, Bus)

Diese Bewerber haben sich einer Eignungsuntersuchung beim Vertrauensarzt oder bei einer Spezialuntersuchungsstelle zu unterziehen, bei der unter anderem auch das Vorliegen einer Suchtproblematik ausgeschlossen werden sollte.

 

‚Äʬ†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Meldung durch Hausarzt, Spezialarzt oder Spitalarzt gem√§ss

Art. 14 SVG oder anl√§sslich einer periodischen Kontrolle bei √ľber 70-J√§hrigen oder Inhabern von h√∂heren¬† F√ľhrerausweiskategorien

Die Zahl der alkohlabhängigen Personen in der Schweiz wird auf ungefähr 300 000 geschätzt. Den Hausärzten und insbesondere den Spitalärzten ist ein allfällig vorhandenes Suchtproblem oft bekannt, und es liegt in ihrer Verant-

wortung gegen√ľber dem betreffenden Fahrzeuglenker und auch gegen√ľber der Gesellschaft, das Problem der Fahreignung mit dem Patienten und gegebenen- falls auch mit dessen Angeh√∂rigen zu besprechen. Bei fehlender Behandlungs- einsicht oder weitergehendem Alkoholmissbrauch trotz eingeleiteter Therapie empfiehlt sich zur Verhinderung einer m√∂glicherweise f√ľr den Patienten oder andere Verkehrsteilnehmer fatal endenden Trunkenheitsfahrt die Meldung an die Zulassungsbeh√∂rde (Strassenverkehrsamt), worauf in der Regel eine nochmalige verkehrsmedizinische Abkl√§rung durch die Spezialuntersuchungsstelle angeordnet wird.

 

‚Äʬ†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Meldung durch Polizei oder Strafbeh√∂rden gem√§ss Art 123 VZV

 

Unabh√§ngig von FiaZ-Ereignissen sind Polizeibeamte gem√§ss Art. 123 VZV gehalten, Personen, die offensichtlich an einem Alkoholproblem leiden, bei ent- sprechender Auff√§lligkeit (z.B. polizeiliche Intervention bei Gewaltanwendung in der Familie, Verwahrlosung, Trunkenheit in der Oeffentlichkeit usw.) der Zu- lassungsbeh√∂rde zu melden. Da sgleiche gilt f√ľr Strafbeh√∂rden, insbesondere wenn eine Strafe aufgrund einer bestehenden Alkoholabh√§ngigkeit aufgescho- ben und eine therapeutische Massnahme angeordnet wird.

 

‚Äʬ†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Anordnung einer amts√§rztlichen Abkl√§rung der Fahreignung nach Fahren in angetrunkenem Zustand (FiaZ) mit sehr hohem Blutalkohol wert oder bei Vorliegen von mehreren Fiaz-Ereignissen innert weniger Jahren

 

Mit einem FiaZ-Ereignis hat die entprechende Person mindestens einmal bewie- sen, dass sie Trinken und Fahren nicht trennen kann. Nicht selten liegt dabei ein chronisches Alkoholproblem zugrunde. Bei folgenden Sachverhalten ergibt sich ein konkreter und erheblicher Verdacht auf das Vorliegen einer verkehrsmedi- zinisch relevanten Alkoholproblematik:

 

a)¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Blutalkoholkonzentration beim FiaZ 2.5 Promille oder dar√ľber

 

Derart hohe Blutalkoholwerte, die in der Regel erst ab einem Konsum von 3,5 Liter Bier oder 1,5 Liter Wein erreicht werden, zeigen eine sehr hohe Alkohol- toleranz (Gewöhnung) an, die ihrerseits in der Regel auf eine Alkoholab- hängigkeit hinweist.

 

b)¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Zweites Fiaz-Ereignis innerhalb von f√ľnf Jahren und Blutalkohol konzentration mindestens 1,6 Promille

 

  1. Drittes Fiaz-Ereignis innerhalb von zehn Jahren

 

Auch in diesen beiden F√§llen besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Abh√§ngigkeitsproblematik oder zumindest der begr√ľndete Verdacht, dass die Trennung von Trinken und Fahren nicht gew√§hrleistet ist.

 

 

 

4.   Administratives Vorgehen

 

 

‚ÄĘ Verkehrsmedizinische Abkl√§rung unter Belassen des F√ľhrer-ausweises

Bei Drittmeldungen (√Ąrzte, Polizei usw.) wird von der Zulassungsbeh√∂rde (Strassenverkehrsamt) unter Belassen des F√ľhrerausweises eine verkehrs- medizinische Abkl√§rung der Fahreignung angeordnet. Wird dabei die Fahr- eignung bejaht, wird der F√ľhrerausweis (allenfalls unter bestimmten Auflagen) weiterhin belassen.

Kommt die Abkl√§rung zum Schluss dass die weitere Fahreignung wegen eines Alkoholproblemes nicht mehr gegeben ist, so erfolgt ein F√ľhrerausweisentzug (sog. Sicherungsentzug) auf unbestimmte Zeit, die minimale Entzugsdauer betr√§gt dabei ein Jahr (Art. 17 Abs.3 SVG).

 

 

‚Äʬ† Verkehrsmedizinische Abkl√§rung nach vorsorglichem F√ľhrerausweisentzug

Liegen ernsthafte Zweifel an der Fahreignung vor (z.B. nach einem Fiaz- Ereignis mit sehr hohem Blutalkoholwert oder mehrmaligem FiaZ innert kurzer Zeit), erfolgt ein vorsorglicher F√ľhrerausweisentzug gem√§ss Art. 35 Abs. 3 VZV. Die Wiedererteilung des F√ľhrerausweises wird vom g√ľnstigen Ausgang einer amts√§rztlichen Untersuchung abh√§ngig gemacht.

Wird anl√§sslich der Abk√§rung die Fahreignung wegen eines Alkoholproblemes verneint, erfolgt ein „definitiver“ F√ľhrerausweisentzug (sog. Sicherungs- entzug) gem√§ss auf unbestimmte Zeit, die minimale Entzugsdauer betr√§gt dabei ein Jahr (Art. 17 Abs.3 SVG).

 

 

‚ÄĘ Verkehrsmedizinische Abkl√§rung nach F√ľhrerausweisentzug bei erwiesenem Alkoholproblem (Sicherungsentzug)

Nach einem F√ľhrerausweisentzug bei erwiesenem Alkoholproblem (Feststellung anl√§sslich der verkehrsmedizinischen Abkl√§rung oder aus anderen Gr√ľnden offensichtlich feststehend) besteht eine gesetzlich festgelegte¬† Wartezeit von mindestens einem Jahr Dauer (Art. 17 Abs. 3 SVG).

 

Die Wiederzulassung wird vom g√ľnstigen Ausgang einer amts√§rztlichen Abkl√§rung der Fahreignung abh√§ngig gemacht. Die verkehrsmedizinische Untersuchung ist in solchen F√§llen erst dann sinnvoll, wenn das vorliegende Alkoholproblem therapeutisch erfolgreich angegangen wurde. Minimale Voraussetzung f√ľr den g√ľnstigen Ausgang einer erneuten Untersuchung ist das Vorliegen einer mindestens einj√§hrige Suchtmittelfreiheit, was bedeutet, dass f√ľr diese Zeit eine kontrollierte Alkohol – Totalabstinenz bestehen muss (siehe Seite 16).

 

5.   Die Verkehrsmedizinische Abklärung der Fahreignung

 

 

5.1.   Fragestellung

 

 

Eine zweckmässige Fragestellung bei der Begutachtung von Motorfahrzeug- lenkern, bei denen der Verdacht eines verkehrsrelevanten Alkoholproblems mit möglicher Beeinträchtigung der Fahreignung besteht, lautet wie folgt:

 

¬ęIst zu erwarten, dass die untersuchte Person zuk√ľnftig ein Motorfahrzeug unter Alkoholeinfluss lenken wird und/oder liegen als Folge eines unkontrol- lierten Alkoholkonsumes Beeintr√§chtigungen vor, die das sichere F√ľhren eines Motorfahrzeuges in Frage stellen?¬Ľ

 

Die Erfahrung hat n√§mlich gezeigt, dass nicht allein das Vorliegen einer eigent- lichen Suchterkrankung (gem√§ss den international gebr√§uchlichen Diagnose- schl√ľssel ICD-10 oder DMS-3-R) eine Ablehnung der Fahreignung rechtfertigt, sondern dass bereits auch bei Vorliegen von Alkoholmissbrauch die Fahreig- nung verneint werden muss, falls das F√ľhren von Motorfahrzeugen und ein die Fahrf√§higkeit beeintr√§chtigender Alkoholkonsum nicht hinreichend sicher getrennt werden kann.

 

Die Beurteilung der Fahreignung bei Alkoholproblemen beruht somit nicht ausschliesslich auf einem Suchtnachweis (gem√§ss SVG Art. 14 Abs. 2 lit.c), sondern ber√ľcksichtigt auch die √ľbrigen gesetzlich festgelegten Anforderungen in Zusammenhang mit einem verkehrsrelevanten Alkoholkonsumverhalten.

Gem√§ss SVG Art. 14 Abs. 2 lit. b und d ist somit m√∂glicherweise die Fahreignung insbesondere nach bereits erfolgtem FiaZ-Ereignis auch ohne das Vorliegen einer Suchterkrankung (gem√§ss ICD-10 oder DMS-3-R) abzulehnen, falls ¬ęphysische und psychische Krankheiten¬Ľ oder Verhaltens- und Charakterauff√§lligkeiten zu einer erh√∂hten Gefahr des erneuten Fahrens in angetrunkenem Zustand f√ľhren.¬†¬† In einzelnen F√§llen ist dazu eine verkehrspsychologische Beurteilung als Zusatzabkl√§rung bei der Begutachtung notwendig.

 

5.2.  Untersuchungsumfang

 

Die verkehrsmedizinische Abklärung bei Verdacht auf das Vorliegen eines Alkoholproblemes umfasst folgende Untersuchungschritte:

 

  • Aktenstudium
  • Ausf√ľhrliches pers√∂nliches Gespr√§ch
  • K√∂rperliche Untersuchung
  • Laboruntersuchungen
  • Einholen von Fremdberichten
  • Abfassen des Gutachtens: Zusammenstellung der Befunde, Beur- teilung und Schlussfolgerung hinsichtlich der weiteren Fahreignung

 

Ein genaues Studium der von den auftragserteilende Beh√∂rde zur Verf√ľgung gestellten Vorakten (Verzeichnis der bisher erfolgten Administrativmassnahmen, bereits fr√ľher erfolgte verkehrsmedizinische Begutachtungen, medizinische Berichte oder Zeugnisse, Polizeirapporte betreffend FiaZ-Ereignissen, Blutalkoholbestimmungen, Gerichtsurteile mit Hinweisen auf einen s√ľchtigen Alkoholkonsum, Leumundsberichte usw.) vor dem Gespr√§ch mit dem Probanden ist von grosser Wichtigkeit.

In vielen F√§llen ergeben sich daraus konkrete Hinweise auf eine seit l√§ngerem bekannte Alkoholabh√§ngigkeit, alkohol- bedingte psychische oder k√∂rperliche Folgesch√§den oder zumindest Anhalts- punkte f√ľr eine massive Trinkgew√∂hnung.

Das ausf√ľhrliche pers√∂nliche Gespr√§ch mit dem Probanden beinhaltet seinerseits mehrere Teilabschnitte.

Die Erhebung einer umfassenden Sozial- und Arbeitsanamese ist wichtig zur Aufdeckung alkoholbedingter sozialer Folgeschäden wie beruflicher Leistungsabfall, Arbeitsplatzverluste, Arbeitsunfälle, Partnerschaftsprobleme, Schwierigkeiten mit Polizei und Gerichten, Gewalttätigkeiten, Verschuldung und sozialer Abstieg.

In psychischer Hinsicht achtet man auf alkoholbedingte Pers√∂nlich- keitsver√§nderungen wie Gef√ľhlslabilit√§t, Reizbarkeit, Renomiersucht, Baga- tellisierungstendenz, Anbiederungstendenz und Distanzlosigkeit, Einengung der Interessen, Beeintr√§chtigungsideen und √ľbertriebene oder unbegr√ľndete Eifer- sucht. Zu beachten ist auch eine allf√§llige Symptomatik seitens alkoholbe- dingter Hirnkrankheiten wie alkoholische Demenz oder alkoholbedingte epileptische Anf√§lle.

 

 

Bei der Erhebung der bisher durchgemachten k√∂rperlichen Erkran- kungen sind insbesondere Lebererkrankungen, Magenblutungen, Entz√ľndun- gen der Bauchspeicheldr√ľse, Gichtanf√§lle, Herzrhythmusst√∂rungen, Osteoporose bei M√§nner und nicht zuletzt auch Bluthochdruck als typische Alkohol-Folge- erkrankungen zu finden.

Speziell zu erfragen sind typische und h√§ufige Beschwerden bei Alkohol- √ľberkonsum wie morgendliche √úbelkeit, unbestimmte Darmbeschwerden, ver- st√§rktes Schwitzen, Zittern, Depressionen, innere Unruhe und Schlafst√∂rungen (oft mit einer h√§ufigen Einnahme von Beruhigungs- und Schlafmittel auch tags- √ľber verbunden) sowie Libido- und Potenzst√∂rungen.

Die Alkoholanamnese umfasst neben der Erfassung von alkoholbedingten Spitalaufenthalten und allenfalls bereits fr√ľher erfolgten Entzugsbehandlungen das Erfragen von Trinksituationen, Funktionen des Trinkens, Trinkmenge und Konsummuster sowie Bewertung des Alkoholkonsums durch wichtige Bezugs- personen und durch den Probanden selber.

Im weiteren sollen auch allfällige Entzugssymptome gezielt angesprochen werden.

In der Exploration bilden auch standardisierte Fragetests wie die CAGE- Fragen oder der MALT (M√ľnchner Alkoholismus-Test) eine wichtige Rolle, wenngleich auch diese Untersuchungsinstrumente zur Anwendung in der therapeutischen Situation geschaffen wurden und sich in der Fahreingungsbe- gutachtung nur bedingt eignen, da selbst durchschnittlich intelligente Proban- den oft herausfinden, wie sie das Testresultat durch entsprechend geschickte Fragenbeantwortung zu ihren Gunsten ver√§ndern k√∂nnen.

Die k√∂rperliche Untersuchung besteht in einer √ľblichen internistischen Allgemeinuntersuchung mit besonderer Ber√ľcksichtigung von Hautver√§n- derungen, Nervensystem, Untersuchung der Oberbauchorgane und An- zeichen von hormonalen St√∂rungen.

Hautver√§nderungen bei Personen mit chronischem Alkohol√ľberkonsum sind Palmarerythem, Gef√§sserweiterungen im Gesicht und im oberen Brust- bereich, spinnenf√∂rmige Gef√§ssver√§nderungen (sog. ¬ęSpider-n√§vi¬Ľ), anhaltende R√∂tung des Gesichtsbereiches sowie grobporige Hautver√§nderungen im Nasen- bereich.

Im Bereich des Nervensystems sind Zeichen einer alkoholbedingten Neuropathie wie herabgesetzte oder fehlende Eigenreflexe, gestörte Tiefensensibilität und Lagesinn, Muskelatrophien und Gehunsicherheiten (Ataxie) als Folge der Sensibilitätsstörungen zu beachten.

Unabhängig von den Polyneuropathie-Veränderungen ist der alkoholische Tremor (Händezittern, Zungenzittern oder Zittern im Bereich der Gesichts- muskulatur) ein wichtiges neurologisches Symptom.

Eine vergrösserte Leber und/oder eine Konsistenzerhöhung besteht nur bei einem Teil der Alkoholkranken, bildet aber bei Vorhandensein ein wichtiger Mosaikstein zur Beurteilung. Das Vorhandensein von Anzeichen einer Leber- zirrhose deutet auf eine langjährige Leberschädigung hin.

Hormonale St√∂rungen infolge alkoholbedingter Einwirkungen auf die geschlechtshomon-produzierenden Organe und deren Steuerungsdr√ľsen ver- ursachen bei M√§nnern eine Vergr√∂sserung der Brustdr√ľse, fehlende Brust- und Bauchbehaarung, femininer Behaarungstyp sowie eine Hodenverkleinerung.

Weitere alkoholtypische Ver√§nderungen sind Parotisvergr√∂sserung und Dupuitrensche Kontrakturen. Sehr h√§ufig ist auch ein Bluthochdruckleiden Folge eines √ľberm√§ssigen Alkoholkonsums. Erscheint der Proband mit einem F√∂tor √§thylicus (Alkoholfahne), ist dies als Zeichen eines Pegeltrinkens oder eines schweren Kontrollverlustes zu werten. Eine Atemalkoholmessung und allenfalls eine vorsorgliche Abnahme einer Blutprobe ist in diesem Fall angezeigt.

Laboruntersuchungen anhand einer Blutentnahme spielen bei der Fahreig nungsbegutachtung bei Alkoholproblemen eine wichtige Rolle. Ausser den Leberenzymwerten Gamma-GT, GOT und GPT und der Bestimmung des MCV steht seit einigen Jahren ein neuer Alkoholismusmarker zu Verf√ľgung, der eine bessere Sensitivit√§t und vor allem eine viel bessere Spezifit√§t als das Leber- enzym Gamma-GT besitzt. Es handelt sich dabei um die Bestimmung des CDT (Carbohydrate Deficient Transferrin). Das Ueberschreiten des Grenzwertes bedeutet einen durchschnittlichen t√§glichen Konsum von mindestens 60 Gramm reinen Alkohols (entspricht ungef√§hr einer Flasche Wein oder 1,5 Liter Bier) √ľber mindestens 10 Tagen. Zu beachten ist, dass es bei ungef√§hr 20% aller Personen auch bei hohem Alkoholkonsum nicht zu einem Anstieg des CDT kommt (sog.

¬ęNon-responders¬Ľ), und dass sich der CDT-Wert bereits nach einer Abstinenz- dauer von 1-2 Wochen normalisieren kann. Neben dem sehr spezifischen CDT- Wert stellt auch das MCV bei Fehlen von anderweitigen Erkrankungen mit diesbez√ľglich erh√∂htem Wert ein zuverl√§ssiger Indikator f√ľr einen √ľberm√§ssigen Alkoholkonsum dar. Dabei ist zu beachten, dass bereits ein MCV von √ľber 96 fl als erh√∂ht anzusehen ist. Eine Erniedrigung der Thrombozytenzahl wird bei schweren Formen von Alkohol√ľberkonsum regelm√§ssig beobachtet, wobei es unter Alkoholabstinenz h√§ufig zu einem √ľberm√§ssigen Thrombozytenanstieg kommt.

 

 

Das Einholen von Fremdberichten nach entsprechender schriftlicher Ent bindung von der Schweigepflicht bei Hausärzten, Spitälern, Psychiatern, Psy- chologen, bei Alkoholberatungsstellen und nötigenfalls auch von Angehörigen oder Arbeitgebern ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Begutachtung.

W√§hrend beim Gespr√§ch und der k√∂rperlichen Untersuchung oftmals nur das Erfassen eines momentanen Zustandbildes (Querschnitt) m√∂glich ist, gelingt durch die Ber√ľcksichtigung der Fremdberichte die Beurteilung des L√§ngsver- laufes, was nicht zuletzt auch bez√ľglich der Prognosestellung wichtig ist.

Fremdausk√ľnfte sind auch in der Fr√ľhphase einer Alkoholabh√§ngigkeit sehr be- deutsam, weil k√∂rperliche Sch√§digungen erst viel sp√§ter in Erscheinung treten und psychische Folgeerscheinungen zu diesem Zeitpunkt schwer zu objektivie- ren sind.

 

In gewissen Einzelf√§llen sind weitere Zusatzabkl√§rungen wie spezial√§rztliche Untersuchungen, psychomotorische Leistungstests oder verkehrspsycholo- gische Beurteilungen notwendig, um die Fahreignung schl√ľssig beurteilen zu k√∂nnen. Vor der Anordnung solcher Zusatzuntersuchungen ist sowohl die auf- traggebende Beh√∂rde wie auch der Proband umfassend zu orientieren und das beidseitige Einverst√§ndnis einzuholen.

 

Bei der Abfassung des Gutachtens werden die erhobene Befunde aus Akten, Gespr√§ch, Untersuchung, Laboruntersuchung und Fremdausk√ľnften zusammen- gestellt und in einer zusammenfassenden Beurteilung gewertet und diskutiert.¬†¬† In einer Schlussfolgerung soll die Beurteilung der Fahreignung auch unter dem Aspekt der voraussichtlichen Entwicklung dargestellt und allf√§llige medizinische Bedingungen (Auflagen) f√ľr eine Wiederbewerbung oder f√ľr die weitere Zu- lassung als Motorfahrzeuglenker formuliert werden.

 

 

5.3.   Beurteilung der Fahreignung und medizinische Auflagen

 

Bez√ľglich der Fahreignungsbeurteilung und den damit verbundenen medizinischen Auflagen ergeben sich folgende M√∂glichkeiten:

 

‚Äʬ†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Keine Alkoholabh√§ngigkeit und kein verkehrsrelevanter Alkohol- missbrauch:

Die Fahreignung wird ohne Auflagen bejaht.

 

  • Alkoholabh√§ngigkeit oder verkehrsmedizinisch relevanter Alkohol- missbrauch mit der Unf√§higkeit, Fahren und Trinken trennen zu k√∂nnen:

Die Fahreignung wird abgelehnt.

 

Eine Wiederzulassung (in der Regel erneute amts√§rztliche Beurteilung) ist erst nach mindestens einj√§hriger, kontrollierter und mittels Laborkontrollen √ľberpr√ľfter Alkohol-Totalabstinenz m√∂glich.

 

‚Äʬ†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Verkehrsrelevantes Alkoholproblem, aber noch ohne FiaZ-Ereig- nis und erfolgsversprechende Behandlung bereits eingeleitet:

Die Fahreignung wird unter der Auflage der Alkohol- Totalabstinenz weiterhin bejaht.

 

In Einzelfällen wird von dieser schematischen Vorgehensweise abgewichen.

 

Die Auflage der Fahrabstinenz ist sinnvoll, wenn bereits geringe Alkohol- mengen die Fahrf√§higkeit ung√ľnstig beeinflussen k√∂nnen (z.B. chronische Einnahme von gewissen Medikamenten, Methadontherapie, Vorhandensein von gewissen Krankheiten wie z.B. St√∂rungen des Gleichgewichtssinnes usw.).

 

Bei der Abkl√§rung von Probanden mit Fiaz-Ereignissen in der Vorgeschichte ergibt sich bisweilen, dass kein eigentliches Alkoholproblem besteht, dass aber diese Personen bereits nach Genuss von kleinen Alkoholmengen nicht mehr in der Lage sind, auf weiteren Alkoholkonsum zu verzichten bzw. die konsumierte Alkoholmenge zu √ľberblicken. Auch f√ľr diese Gruppe ist die Anordnung der Auflage der Fahrabstinenz sinnvoll.

 

6.   Wiederzulassung und Kontrolle bei Alkoholproblemen

 

6.1.¬†¬† Bedingungen f√ľr Wiederzulassung

 

Ist ein chronischer Alkohol√ľberkonsum erwiesen, so wird der F√ľhrerausweis in der Regel auf unbestimmte Zeit, jedoch mindestens f√ľr die Dauer eines Jahres, entzogen. Die Wiederaufhebung der Massnahme erfolgt, wenn eine erfolg- reiche Behandlung des Suchtleidens stattgefunden hat. Dies bedeutet in der Regel, dass die betreffende Person eine kontrollierte Alkohol – Totalabstinenz von mindestens einem Jahr Dauer nachweisen muss und eine erneute amts- √§rztliche Begutachtung positiv verl√§uft. Die Einhaltung der Totalabstinenz wird durch den Hausarzt, den behandelnden Psychiater und/oder durch eine Sucht- beratungsstelle kontrolliert.

Die Wiederbewerbung und somit auch die damit verbundene verkehrsmedizini- sche Neubeurteilung ist in solchen Fällen erst dann sinnvoll, wenn das vorlie- gende Alkoholproblem therapeutisch erfolgreich angegangen wurde und die verlangte einjährige Totalabstinenz auch wirklich belegt werden kann.

 

 

6.2.          Kontrollen nach Wiederzulassung und bei Weiterbelassung

 

Die bei der Wiederzulassung oder auch bei einer Weiterbelassung verf√ľgte Auflage der kontrollierten Totalabstinenz (inkl. Laborkontrollen!) wird in der Regel f√ľr weitere 4-5 Jahre aufrecht erhalten. Der F√ľhrerausweisinhaber hat die Einhaltung der kontrollierten Alkohol-Totalabstinenz durch periodisch ein- zureichende Zeugnisse der zust√§ndigen Betreuungsstelle (Hausarzt, Sucht- beratungsstelle usw). gegen√ľber der Zulassungsbeh√∂rde nachzuweisen. Ein Vordruck eines diesbez√ľglichen Zeugnisformulars mit den relevanten Frage- stellungen findet sich im Anhang.

 

Falls im weiteren Verlauf Hinweise auf einen erneuten Alkohol√ľberkonsum bestehen oder falls die Totalabstinenz nicht eingehalten oder nicht zuverl√§ssig nachgewiesen wird, erfolgt die Anordnung einer amts√§rztlichen Kontroll- untersuchung, bei eindeutigen Hinweisen auf das Wiederauftreten einer schweren Alkoholproblematik wird die Fahreignung bereits anhand einer Aktenbegutachtung abgelehnt.

 

 

 

6.3.   Minimalkriterien der kontrollierten Alkohol-Totalabstinenz

 

Der chronische Alkohol√ľberkonsum ist eine vielschichtig bedingte St√∂rung mit Sch√§digung von K√∂rper, Psyche und sozialen Beziehungen. F√ľr eine erfolg- reiche Behandlung ist oft die interdisziplin√§re Zusammenarbeit von Hausarzt, Psychiater, Suchtberatungsstelle, Sozialdienst und allenfalls einer Selbsthilfe- oder Nachsorgegruppe notwendig. Bei Pegeltrinkern ist meist eine mehrt√§gige Hospitalisation zum k√∂rperlichen Entzug nicht zu umgehen, und mehrmonatige station√§re Aufenthalte in spezialisierten Suchtkliniken bringen in vielen F√§llen erst den gew√ľnschten Behandlungserfolg. Die Behandlung von Alkoholpatien- ten erstreckt sich oft √ľber Jahre, und w√§hrend dieser Zeit ist eine professionelle ambulante Nachbetreuung mit regelm√§ssigen Beratungsgesp√§chen oder Thera- piesitzungen geeignet, die St√∂rung auch l√§ngerfristig erfolgreich angehen zu k√∂nnen.

 

Auch die √úberwachung einer von der Zulassungsbeh√∂rde verlangten Alkohol- Totalabstinenz verlangt oft die Zusammenarbeit von verschiedenen Betreuungs- stellen. Therapiegespr√§che und Beratungen k√∂nnen beispielsweise von Sucht- beratungstellen wahrgenommen werden, w√§hrend Laborkontrollen beim be- handelnden Hausarzt stattfinden. Die Indikation f√ľr den Einsatz von Hilfsmitteln wie Alkoholverg√§llungsmitteln (z.B. Antabus) muss der Betreuungstelle und dem behandelnden Arzt √ľberlassen werden und darf schon aus medizinischen Gr√ľnden nicht von der Beh√∂rde als Bedingung f√ľr eine Weiterbelassung gefordert werden.

 

Bez√ľglich der kontrollierten Alkohol-Totalabstinenz gelten folgende Minimalkriterien:

 

  • Einhalten einer vollst√§ndigen Alkohol-Totalabstinenz

 

‚Äʬ†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Regelm√§ssiges Aufsuchen einer Beratungs- oder Therapiestelle

(Suchtberatung, Psychologe, Psychiater, Hausarzt usw.)

 

  • Zu Beginn der Behandlung (in den ersten 2 Monaten) mindestens

wöchentliche Beratungsgespräche.

In der weiteren Behandlungsphase wird die Häufigkeit der Beratungen durch den Therapeuten bestimmt, es sollen aber mindestens monatliche Beratungsgespräche stattfinden.

 

  • Vornahme von Laborbestimmungen mindestens alle 3 Monate. Dabei sollen folgende Laborparameter im Blut bestimmt werden:

CDT (Carbohydrate Deficient Transferrin),

MCV,

Gamma-GT, GOT (AST) und GPT (ALT).

 

  • Auf entsprechende Aufforderung hin Einreichen eines aussagekr√§ftigen Zeugnisses zur Best√§tigung der Einhaltung der Totalabstinenz unter Beilage der Resultate

 

Vorgehen zur √úberwachung einer Alkohol – Totalabstinenz

  • Die Betreuungsperson muss sowohl mit dem Patienten als auch mit der Krankheit Alkoholabh√§ngigkeit vertraut sein.
  • Bei Vorliegen einer Alkoholabh√§ngigkeit soll eine umfassende Behandlung angestrebt werden (K√∂rperliche Entzugsbehandlung, Psychotherapie, evt. Behandlung mit Antabus oder Campral, allenfalls station√§re Therapie).
  • Eventuell ist ein zus√§tzlicher Besuch einer Selbsthilfegruppe oder einer therapeutischen Gruppe
  • Die Verantwortung f√ľr die √úberwachung und den Nachweis der Totalabstinenz tr√§gt der Patient!

 

Minimalkriterien der kontrollierten Alkohol Р Totalabstinenz

  • Einhalten einer vollst√§ndigen Alkohol – Totalabstinenz
  • Regelm√§ssiges Aufsuchen einer Beratungs- oder Therapiestelle

(Suchtberatung, Psychologe, Psychiater, Hausarzt usw.)

  • Zu Beginn der Behandlung (in den ersten 2 Monaten) mindestens w√∂chentliche problembezogene Beratungsgespr√§che. In der weiteren Behandlungsphase wird die H√§ufigkeit der Beratungen durch den Therapeuten bestimmt, Beratungsgespr√§che aber mindestens monatlich.
  • Vornahme von Laborbestimmungen mindestens alle 3 Monate. Dabei sollen folgende Laborparameter im Blut bestimmt werden:

CDT (Carbohydrate Deficient Transferrin), MCV , Gamma-GT, GOT (AST) und GPT (ALT).

 

Zeugnis zur Bestätigung der Einhaltung der Alkohol РTotalabstinenz

  • Auf entsprechende Aufforderung hin Einreichen eines aussagekr√§ftigen Zeugnisses zur Best√§tigung der Einhaltung der Totalabstinenz unter Beilage der Laborresultate.
  • Ein entsprechendes Zeugnisformular wird in den meisten F√§llen den Patienten von der Beh√∂rde direkt abgegeben. Weitere Zeugnisformulare k√∂nnen bei Bedarf bei den untenstehenden Adressen angefordert

 

Praktisches Vorgehen:

 

  • Zur Wiedererlangung des F√ľhrerausweises nach F√ľhrerausweisentzug
  • Kontaktnahme der betreffenden Person mit dem Strassenverkehrsamt (Bereich Massnahmen). Falls eine amts√§rztliche Untersuchung verf√ľgt wurde, wird diese im IRMZ oder beim Bezirksarzt durchgef√ľhrt. Der Amtsarzt wird von Ihnen einen Bericht
  • Meist ist diese Untersuchung erst sinnvoll nach Vorliegen einer mindestens einj√§hrigen √§rztlich kontrollierten Alkohol –

 

  • Nach Wiederzulassung als Fahrzeuglenker/-in
  • Gem√§ss Auflagen des zust√§ndigen Amtes muss meist ein Verlaufsbericht zur Best√§tigung der Einhaltung der Alkohol – Totalabstinenz zu Handen des Strassenverkehrsamtes (Bereich Zulassungen) erstmals nach 6 Monaten eingereicht werden, anhand dessen das weitere Vorgehen bestimmt
  • Bei positivem Verlauf werden in der Folge meist j√§hrliche Berichte Eine Entlassung aus der Kontrolle findet in der Regel ca. 4 Jahre nach der Wiederzulassung statt.
  • Bei zweifelhaftem Bericht oder Nichteinhaltung der Auflage wird entweder die Fahreignung abgelehnt oder eine weitere amts√§rztliche Untersuchung

 

Praktisches Vorgehen:

  • Einhalten einer konsequenten Alkohol –
  • Regelm√§ssiges Aufsuchen eines Arztes und/ oder einer Fachstelle f√ľr Alkoholprobleme, eines Psychiaters oder eines Psychologen. Die H√§ufigkeit der Beratungsgespr√§che wird von der betreuenden Person festgelegt; in den ersten zwei Monaten muss mit w√∂chentlichen Konsultationen gerechnet werden, danach mindestens monatliche Gespr√§che.
  • Mindestens alle drei Monate Vornahme von Laborbestimmungen im Blut. Dabei sollen folgende Werte bestimmt werden: CDT, MCV, Gamma-GT, GOT (AST) und GPT (ALT).

 

  • Zur Wiedererlangung des F√ľhrerausweises nach F√ľhrerausweisentzug:
  • Nach Einhaltung der Totalabstinenz (gem√§ss Verf√ľgung des Strassenverkehrsamtes, Bereich Massnahmen) Einsenden eines Verlaufsberichtes des Betreuers samt Laborresultaten fr√ľhestens ca. zwei Monate vor Ablauf der

 

Der Bericht ist zu senden an:

Strassenverkehrsamt, Bereich Massnahmen, Lessingstrasse 33, 8090 Z√ľrich

 

Falls in der Verf√ľgung des Strassenverkehrsamtes eine amts√§rztliche Untersuchung als notwendig erachtet wurde, wird diese am Instituts f√ľr Rechtsmedizin der Universit√§t Z√ľrich (IRMZ) oder bei einem Bezirksarzt durchgef√ľhrt.

 

  • Nach Wiederzulassung als Fahrzeuglenker/-in:
  • Weiterf√ľhren der Abstinenzkontrollen und Behandlung gem√§ss Auflagen der Beh√∂rde.
  • Berichte zur Best√§tigung der Alkoholabstinenz sind gem√§ss Verf√ľgung der Beh√∂rde einzusenden, in der Regel erstmals 6 Monate nach Wiederteilung des F√ľhrerausweises, danach j√§hrlich.
  • Eine Aufhebung der Abstinenzauflage wird in der Regel erst nach mehrj√§hriger Einhaltung der Abstinenz und erst nach Vorliegen eines entsprechenden Antrages des behandelnden Arztes oder Betreuers
  • Bei Nichteinhaltung der Auflage kann die Fahreignung abgesprochen respektive die Durchf√ľhrung einer amts√§rztlichen Untersuchung beantragt